Kaum eine Szene hat sich in den letzten Jahren so etabliert wie die Yogaszene. Einst für schrullige Hippies und Weltenbummler vorbehalten, entdecken nun immer mehr “normale” Leute die guten Eigenschaften einer regelmässigen Yogapraxis.

Yoga ist definitiv ein Trend. Dennoch: es gibt fast ebenso viele gute Gründe, Yoga zu machen, wie es Yogaposen gibt.

Studien zeigen, was viele Yogis bereits wissen: Yoga steigert Kraft und Flexibilität und baut gleichzeitig Stress ab. Man hat gezeigt, dass Yoga unsere Atmung, Gesundheit des Herzens und Schlafqualität verbessert. Yoga wurde auch erfolgreich als komplementäre Therapie bei der Behandlung von Sucht, chronischen Schmerzen und Stimmungsstörungen eingesetzt.

Die Hinweise für den positiven Effekt von Yoga werden immer zahlreicher, jedoch halten einige gängige Vorurteile immer noch viele Menschen davon ab, Yoga auch nur eine Chance zu geben.

Wir möchten die gängigsten Missverständnisse für Sie auflösen.

1. Ich bin nicht flexibel genug, um Yoga zu machen.

Yogalehrer hören das mindestens einmal pro Woche. Das ist so ähnlich, als würde man sagen, dass man keinen Spanischunterricht nehmen kann, weil man kein Spanisch spricht. Wenn Sie den Kurs besuchen, werden Sie wahrscheinlich etwas Spanisch lernen. Wenn Sie Yoga machen, werden Sie wahrscheinlich etwas Flexibilität gewinnen.

2. Ich muss erst etwas Gewicht verlieren, bevor ich mit Yoga anfange.

Warum? Es werden Menschen aller Formen und Größen im Unterricht sein. Und wenn Gewichtsabnahme zufällig eines Ihrer Ziele ist, könnte Yoga helfen. Obwohl es weit von einem kalorienverbrennenden Herz-Kreislauf-Training entfernt ist, hat sich gezeigt, dass Restorative Yoga – die sanfteste aller Yogapraktiken – tatsächlich zu einer Gewichtsabnahme* führt. Es hat sich herausgestellt, dass unser Körper, wenn er sich entspannt, wie dies während Restorative Yoga der Fall ist, Nahrung effektiver verarbeiten kann.

*Studie aus 2013, hier nachzulesen (Englisch)

3. Jeder in der Klasse wird mich beobachten

Im Yoga wird bei jeder Pose oft der Blick auf einen bestimmten Punkt gelenkt – die Teilnehmer werden zum Beispiel ermutigt, auf ihre ausgestreckte Hand, auf ihre Nasenspitzen oder auf einen Punkt auf dem Boden oder an der Wand vor ihnen zu schauen – nicht auf Sie! Wenn Sie sich während einer Übung umsehen ist es viel schwieriger, im Gleichgewicht zu bleiben. Kurz gesagt, Ihre Mitschüler werden nicht so sehr darauf achten, was Sie gerade tun, da sie selber damit beschäftigt sein werden das Gleichgewicht zu halten.

4. Mein Lehrer wird mich bestimmt aussondern und mich wegen meiner Inkompetenz herablassend behandeln

Im Allgemeinen sind Yogalehrerinnen und -lehrer darauf bedacht, nette Menschen zu sein. Ihr Instruktor wird Sie nicht anschnauzen oder in Verlegenheit bringen, weil Sie nicht wissen, wie man etwas tut. Wenn Sie alles wüssten, würden Sie keinen Yogalehrer brauchen! Stellen Sie sich Ihrer Lehrerin / Ihrem Lehrer vor dem Unterricht vor, gestehen Sie, dass Sie neu sind, und ich wette, sie oder er wird Sie beruhigen. Sagen Sie ruhig Bescheid, wenn sich während des Unterrichts etwas nicht richtig anfühlt, oder stellen Sie danach Fragen. Ihr Yogalehrer ist da, um zu helfen.

5. Hier ist Yoga ein reines “sehen und gesehen werden” zu dem hippe Leute zugehören wollen

Verständlich, dass Sie sich nicht von Yoga angesprochen fühlen, wenn Sie nach einem gemütlichen Ort suchen, wo Sie sich in den abgetragenen Jogginghosen Ihres Mannes entspannen können, und die Stimmung in dem Studio, an dem Sie immer wieder vorbeigehen, einem Nachtclub zu ähneln scheint.

Wenn Sie sich jedoch ein wenig umschauen, werden Sie bestimmt in einem weniger bekannten Studio, einer Klubschule oder in dem Gemeindehaus irgendwo in Ihrer Stadt eine betont unhippe Yogastunde finden die genau auf Sie zugeschnitten ist.

6. Einige Yogis sind ziemlich durchgeknallt

Natürlich gibt es überall verrückte Leute. Die Art und Weise, wie Yoga-Leute verrückt sind, ist jedoch eigentlich relativ harmlos. Sie wollen sich besser fühlen, und wollen, dass sich andere Leute auch besser fühlen. Manchmal ist die Methodik vielleicht ungewöhnlich und, okay, wissenschaftlich nicht fundiert, aber das gelegentliche Gespräch über Astrologie, die Energiedichte, die Balance Ihrer Chakren oder darüber, ob Sie konstitutionell eher Wind oder Schlamm sind, stammt auf jeden Fall von einem Ort des Wohlwollens. Sehen sie es von der leichten Seite.

7. Yoga wird viel zu einfach sein

Die Chance besteht, dass Sie, egal wie viel Gewicht Sie heben können oder wie weit und schnell Sie laufen können, Sie Yoga als Herausforderung empfinden werden. So wie sich die meisten Dinge anfühlen, wenn Sie sie noch nie gemacht haben. Wenn es Ihnen auf Intensität ankommt, probieren Sie eine eher kraftvolle Praxis wie Vinyasa, Power Yoga, Hot Yoga oder geführtes Ashtanga für Anfänger.

8. Yoga wird viel zu schwierig sein

Es wird Herausforderungen geben, aber Ihr Yogalehrer wird oft verschiedene Versionen einer Pose vorschlagen oder Modifikationen anbieten, die eine herausfordernde Pose leichter zugänglich machen. Sie müssen nicht die „intensivste“ Version machen: Machen Sie die, die für Sie funktioniert! Und übrigens: Sie können sich ausruhen, wann immer Sie wollen! Sie können Posen überspringen! Suchen Sie nach Kursen, die sich speziell an Anfänger richten oder als sanftes, langsam fließendes Yoga, Yin oder Restoratives Yoga angeboten werden.

Gibt es weitere Gründe, kein Yoga zu machen? Vielleicht haben Sie schon einige gehört? Wenn ja, teilen Sie diese unten mit.

Mir fällt ein wirklich guter Grund ein: Wenn Sie bereits eine Aktivität oder eine Konstellation von Aktivitäten haben, die den gleichen körperlichen, mentalen und emotionalen Nutzen wie Yoga bringen, und Sie verbringen Ihre Tage damit, sich insgesamt ziemlich gut zu fühlen, dann nein, machen Sie ruhig so weiter! In diesem Fall könnten Ihnen einige Yogis sagen: „Sie haben Ihr Yoga bereits gefunden”. Für alle Andern: Geben Sie Yoga doch mal eine Chance.


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